Jan-von-Werth Apotheke, Herbst 1982
Original-Rezept G. Becker 1887Original-Rezept G. Becker 1887
1942 und Richtfest 1. Mai 1951

Geschichte
unseres Hauses

Kölns älteste Apotheke feiert einen beachtlichen Geburtstag. Blättern Sie ein wenig mit zurück? Streiflichter aus einer Fülle von Material sollen erzählen vom Haus Altermarkt 46-48 und seiner

Apotheke im Wandel der Zeiten

Mit seinem auffallenden Treppengiebel war es bis vor der Zerstörung am 29. Juni 1943 eines der schönsten Profandenkmäler Kölns. Seine Entstehungszeit lag in der wesentlichen Bausubstanz um 1220, als Theoderich von der Ehrenportzen und seine Familie diesen Besitz erwarben. Zuvor hatte an derselben Stelle ein Anwesen gestanden, das im Eigentum des Klosters Altenberg war und bereits einen umfangreichen Kräuterboden und eine Brennerei beherbergte. Das im romanischen Stil erbaute Gebäude blieb nahezu eineinhalb Jahrhunderte lang im Besitz derer von der Ehrenportzen, wurde jedoch während dieser Zeit in zwei Häuser aufgeteilt, um dann im Jahre 1333 durch Schenkungsakt an die Abtei Sankt Martin zu fallen. Die Mietverträge, die Abt und Convent mit den jeweiligen Apothekern abgeschlossen haben, sind noch vorhanden.

In der Häuserliste von 1587 wird der rechte Gebäudeteil „Zum Rosenkranz" genannt; während der linke noch den Namen „Zum Ehrenportzen" führt. Aus späteren Listen - von 1589 und 1630 - geht hervor, daß sich die eine Hälfte zwar immer noch „Zum Ehrenportzen" nannte, aber die andere bereits die Bezeichnung zum „Roden-Haus" trug. Dies wahrscheinlich wegen des roten Gebäudeanstrichs. 1584 wird die Apotheke zum ersten Mal offiziell erwähnt; der Mietzins betrug damals urkundlich 56 Goldgulden. Sie darf so als die älteste der noch bestehenden Kölner Apotheken betrachtet werden.

 

In einer gesetzlichen Regelung war sie damals unter jenen, für die ein Privileg verliehen wurde, das nicht am Hause, sondern an der Person haftete. Sie war als solche vererbbar und veräußerbar, mußte aber immer von einem geprüf ten Apotheker geführt werden. Es erlosch, wenn die Witwe einen Nichtapotheker heiratete, weshalb es des öfteren zum neuen Ehebund mit dem Provisor kam.

Sämtliche Namen der Apothekenbesitzer von 1584 bis zum heutigen Tage sind bekannt; ab 1815 auch deren Konterfeis. Die Portraits haben den zweiten Welt­ krieg überstanden und erhielten einen Ehrenplatz in der Offizin des wiedererrichteten Hauses.

Nachdem unter der Franzosenherrschaft die Abtei aufgehoben war, ging das Apothekenhaus 1815 für 4600 Reichstaler an den Apotheker Hamecher über, um bereits zwei Jahre später gründlich renoviert zu werden. (Der Hintergrund des Titelbildes zeigt den Besitz vor 1817.) Durch die Anlegung der Zollstraße - heute nicht mehr bestehend - stellte sich der linke Teil als Eckhaus dar. Als 1884 auf dem Altermarkt das Denkmal des Reitergenerals Jan von Werth errichtet wurde, erhielt die Apotheke seinen Namen.

 

Noch einmal renovierte man gründlich, als Apotheker Johannes Proenen 1912 Haus und Apothekenrecht erwarb. Im zweiten Weltkrieg wurde der klassisch schöne Bau 1942 zunächst stark beschädigt, dann 1943 total zerstört. Als Not-Apotheke fand die Jubilarin 1947 auf dem nahegelegenen Heumarkt eine vorübergehende Bleibe. Unter großem Einsatz der Familie, vor allem der Witwe Johannes Proenen und des Sohnes Apotheker Franz-Ego n Proenen, gelang bei den damals schweren Bedingungen und Bescheidungen der Wiederaufbau. Im Juni 1951 zog die Jan-von-Werth-Apotheke wieder auf den ihr historisch zugeordneten Platz, auf dem die Wunden des Krieges langsam verheilten. Fast 30 Jahre sind seit der Übernahme durch die nächste Generation vergangen. Manches hat sich seitdem für den Apothekerstand belastend ausgewirkt; die Freude am überkommenen, am Bewahren blieb. Der architektonisch als wohlgelungen geltende Bau hat nun eine dem
„Roden-Haus" farblich nachempfundene Fassadenverschönerung erhalten. Apotheker Proenen meint, daß er damit ein wenig zur schöneren Gestaltung des Platzes beigetragen habe. Sein Dank gilt heute Vielen. Sein Wunsch ist es, auch weiter als engagierter Pharmazeut und Bürger der Kölner Altstadt auf einem bald wieder mit Leben erfüllten traditionsreichen Markt tätig zu sein.



Text: Ingeborg Proenen
Wir danken dem Rhein. Bildarchiv für die freundliche Unterstützung.